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Klinikum Ingolstadt
Alles dreht sich um den ,Turnaround’

Am Klinikum Ingolstadt führte Prof. Dr. med. Johannes Aufenanger das digitale Labor ein. Die Auftragserfassung, Abwicklung und Ergebnisübermittlung von Laborleistungen erfolgen seitdem ausschließlich elektronisch. Die bereits etablierten Lösungen für die klinische Chemie und die Blutbank ergänzte er im April 2005 um das Mikrobiologiemodul. Mit Hilfe der digitalen Komplettlösung gelang es Prof. Aufenanger die Probendurchlaufzeiten (Turnaround) drastisch zu verkürzen. Bereits nach wenigen Minuten sind erste Untersuchungsdaten online auf den Stationen verfügbar. Die Software ermöglicht es dem Stationspersonal über das Kliniknetzwerk den Weg der Proben und den Analysenprozess zu verfolgen und sofort nach der Analyse erste Ergebnisse einzusehen.

Die Rahmenbedingungen in den Krankenhäusern haben sich in den letzten zehn Jahren grundlegend verändert. Die angespannte Budgetsituation führt dazu, dass das Klinikmanagement regelmäßig die Kosten einzelner Leistungen ermittelt und nach Wegen sucht diese zu senken. Dem Labor kommt in dem Zusammenhang eine besondere Bedeutung zu. Als unentbehrlicher Dienstleister für das eigene Haus trägt die Laboratoriumsmedizin zwischen 60 und 70 % der diagnostischen Ergebnisse eines Falles bei. Eine kürzere Probendurchlaufzeit verleiht dem Gesamtsystem eine noch höhere Wertschöpfung.

Früher sammelte die Stationsschwester bis gegen zehn Uhr die Proben der Patienten ein und schickte sie ins Labor. Die ersten Analyseergebnisse lagen am späten Nachmittag vor. Den Befund sah der behandelnde Arzt oft erst am nächsten Morgen. Es verstrich kostbare Zeit bis zum Therapiebeginn.

Heute verfügt das Klinikum Ingolstadt über eine fachübergreifende IT-Stragtegie. Die Managementsysteme der unterschiedlichen Fachabteilungen tauschen mit dem Krankenhausinformationssystem die Patientenstammdaten aus. Insgesamt greifen im Klinikum Ingolstadt 800 PCs aufs alle Abteilungen und Stationen umfassende Computernetzwerk zu. Im Institut für  Laboratoriumsmedizin wird die gesamte Befundanforderung und Rückübermittlung der Analyseergebnisse elektronisch abgewickelt.

Prof. Dr. Johannes Aufenanger, Leiter des Instituts für Laboratoriumsmedizin am Klinikum Ingolstadt, führte vor  mehr als vier Jahren in seinem Labor iSOFT Laboratory ein und verkürzte dadurch die Turnaround-Zeit der  Befundergebnisse erheblich. 2001 begann er die Modernisierung mit einem Softwaremodul für die klinische Chemie, 2004 folgte die Blutbank und 2005 komplettierte er iSOFT Laboratory mit dem Mikrobiologiemodul. Innerhalb eines Wochenendes – dem 21./22. Januar 2001 - lief im Klinikum Ingolstadt die Umstellung auf das neue System. „In nur 48 Stunden haben wir 28 Onlineanschlüsse, 60 Stationen und 40 Ambulanzen in Betrieb genommen. Am Sonntagnachmittag war alles fertig. Das war eine Sensation,“ schwärmt Prof. Aufenanger noch heute. Er war von Anfang an von der Kompetenz der iSOFT Mitarbeiter überzeugt.

Bei der elektronischen Anforderung einer Laboranalyse auf Station fragt das System die für die Untersuchung notwendigen Parameter ab. Erst wenn alle Informationen eingegeben sind, die die Laboratoriumsmediziner benötigen, kann der Auftrag abgeschickt werden. Unmittelbar danach startet der Ausdruck der Barcodeaufkleber für die Probenröhrchen, sogar mit der Angabe, welches Röhrchen für die einzelnen Proben zu verwenden ist. Verwechslungen sind ausgeschlossen. Sollte es vorkommen, dass für einen Patienten zusätzliche Untersuchungen angefordert werden müssen, weiß das System auch, ob diese weiteren Analysen anhand der bereits eingeschickten Proben durchgeführt werden können. Dies erleichtert dem Stationspersonal die Arbeit erheblich.

Nur bei wenigen Analysegeräten müssen die Labormitarbeiter noch von Hand Daten eingegeben. Die meisten Systeme in Prof. Aufenangers Abteilung erhalten die Analyseanforderungen vom Labormanagementsystem bereits digital über einen Kommunikationsserver mitgeteilt. Über proprietäre Schnittstellen oder beispielsweise das standardisierte ASTM-Protokoll kommunizieren Geräte und Software bidirektional. Sie tauschen Informationen aus, welche Parameter zu ermitteln sind und welche Analysen in anderen Maschinen durchgeführt werden. „Das schöne an unserem Laborinformationssystem ist, dass wir es so gut parametrisieren können. Alle Abläufe lassen sich nach unseren Wünschen gestalten,“ erklärt der Chefarzt für Laboratoriumsmedizin.

Prof. Johannes Aufenanger und seine Kollegen haben im System Plausibilitätsregeln hinterlegt, sodass jedes einzelne Ergebnis geprüft werden kann. Verletzen Resultate diese Regeln, schickt das System eine Meldung und Laborassistentinnen oder gegebenenfalls ein Labormediziner kontrollieren die Analysedaten vor der Freigabe. Die mittleren Turnaround-Zeiten für die Klinische Chemie betragen jetzt weniger als 40 Minuten, für Immunologie und Infektionsserologie weniger als 1 Stunde. Wenn es darauf ankommt, ist die Abteilung unter Leitung von Prof. Aufenanger heute in der Lage innerhalb von nur zwei Minuten ein Blutbild zu erstellen und den Befund dem Einsender zu präsentieren.  So kann der behandelnde Arzt noch am selben Tag eine effektive Therapie einleiten und die Genesung des Patienten beschleunigen. Er kann sich die Entwicklung mehrerer Messwerte parallel über einen längeren Zeitraum graphisch darstellen lassen und bekommt so den Erfolg der Therapie klar dargestellt. „Oft muss man sich die Werte auch ansehen, um einen Schluss daraus zu ziehen,“ beschreibt Prof. Aufenanger diese nützliche Option.

Das Ingolstädter Laborteam ist mit dem iSOFT Laboratory heute in der Lage, den Ärzten eine Vielzahl an Zusatzinformationen zu bieten. Zu allen Analyseverfahren hat es im System Detailinformationen hinterlegt. Mit einem Mausklick erhält der Arzt Expertenwissen zur Indikation, den Grenzwerten, eventueller Störgrößen, der Häufigkeit der Untersuchung, zur Interpretation oder zu den Kosten dargestellt. 34 Mitarbeiter erstellen im Institut für Laboratoriumsmedizin ca. 2,2 Millionen Analysenleistungen pro Jahr: 300.000 Leistungen entfallen auf die Mikrobiologie. 1,8 Millionen auf die klinische Chemie und 60.000 auf die Blutbank. Alle drei Programmmodule des iSOFT Laboratory verfügen über eine einheitliche grafische Oberfläche und sorgen dadurch für eine unkomplizierte Bedienung. Für Prof. Aufenanger ist die EDV ein absolutes Organisationsinstrument. „Informationssysteme müssen sich flexibel an die Organisationsbedingungen anpassen lassen und nicht umgekehrt.

Insbesondere die Mikrobiologie stellt extrem hohe Ansprüche an die Flexibilität und die freie Parametrisierbarkeit des Informationssystems, müssen hier doch die Aufträge je nach Keimwachstum erweitert und verzweigt werden,“ berichtet der Leiter des Instituts für Laboratoriumsmedizin. Das mikrobiologische Labor ist virtuell in verschiedene Laborbereiche aufgeteilt: Stuhl-, Varia-, Pilz- und Urinlabor. Hierdurch ist eine zielgerichtete Auftragsbearbeitung gegeben. Im Laborinformationssystem haben die Labormediziner hauseigene Spezifika hinterlegt. Mit Hilfe von Makros laufen die Analysen mikrobiologischer Proben ebenfalls nach einem vorgegebenen Regelwerk ab. „Je offener ein Laborsystem ist, umso besser muss man die eigene Organisation kennen. Wir haben die Chance genutzt und unsere Prozesse analysiert sowie die Arbeitsabläufe optimiert,“ erklärt Prof. Johannes Aufenanger.

In der klinischen Chemie und der Hämatologie werden Ergebnisse dokumentiert und validiert. Bei mikrobiologischen Untersuchungen trägt der Arzt an das Labor eine Fragestellung heran: Wächst ein Keim, oder wächst kein Keim? [AB1] Und er erwartet eine Antwort, wie zu verfahren ist, falls ein Keim wächst.Bereits in der Auftragsanforderung, die der Arzt an seinem Rechner auf der Station öffnet, fragt das System untersuchungsspezifisch alle nötigen Zusatzinformationen nach einem hinterlegten Regelwerk ab. Fragen wie z. B. zur Art des Abstrichs, an welcher Stelle er entnommen wurde und wie die bisherige Medikation aussieht sind obligatorisch. Wird bereits ein Antibiotikum gegeben, ist den Labormedizinern klar weshalb sie keine Bakterien finden können. Sie können auch ermitteln welches Antibiotikum für den Keim das richtige ist und ob Resistenzen vorliegen.Bei der Parasitologie muss zusätzlich angegeben werden in welchem Land der Patient sich vor kurzem aufhielt, um die Vielzahl der möglichen Untersuchungen eingrenzen zu können.

Prof. Aufenangers Laborkompetenz nehmen mittlerweile auch vier externe Krankenhäuser sowie einige niedergelassene Praxen in Anspruch. Sie sind über VPN-Leitungen (Virtual Private Network) sicher an das Klinikum Ingolstadt angeschlossen und erhalten in kurzer Zeit hochwertige Analyseergebnisse für ihre Patienten. Da der Arbeitsablauf sich in unterschiedlichen Labors jeweils anders gestaltet, werden an Laborinformationssysteme – insbesondere in der Mikrobiologie – hohe Anforderungen an die Parametrisierbarkeit gestellt. Alle Plausibilitätsregeln haben Professor Aufenanger und seine Mitarbeiter selbst im System hinterlegt. So gelang es,  in kurzer Zeit iSOFT Laboratory individuell an die Belange des Klinikums Ingolstadt anzupassen. Das Labormanagementsystem nimmt dem Team Routinearbeiten ab und schafft Raum für die schwierigen Fälle – das Wesentliche.

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